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Du gehst durch eine Menschenmenge. Jeder scheint beschäftigt, keiner hat Zeit. Niemand achtet auf dich. Und da ist einer – Jesus – von dem du gehört hast, dass er helfen kann. Aber du traust dich kaum. Wer bist du schon? Du, mit deiner Geschichte, deinen Fehlern, deinen Zweifeln und deinem Versagen.
Und doch: Irgendetwas in dir lässt dich nicht los. Ein Funken Hoffnung. Ein „Was, wenn doch?“

Vielleicht klingen diese Worte so, als hätten sie staubige Sandalen an. Aber der Gedanke ist explosiv: Glaube ist nicht Gefühl. Glaube ist kein „Ich bin halt so ein spiritueller Typ“ oder „ich hab was an mir“.

Glaube ist ein innerer Trotz, ein heiliger Eigensinn: Eine Frau im Neuen Testament, die sich unwürdig fühlt, aber sagt: Ich lasse mich nicht abschrecken. Nicht vom Gesetz, nicht von den Blicken der Leute, nicht von der Stimme in mir, die sagt: ‚Du bist nicht gut genug.‘ Sie packt Jesus innerlich am Gewand und sagt: „Ich geb dich nicht her, bis du mich siehst.“

Manche Menschen kommen zu Jesus, weil alles gut läuft. Diese Frau aber kommt, weil alles auseinandergefallen ist. Ihre Hoffnung ist nicht strahlend – sie ist verzweifelt. Sie wagt den Glauben nicht, weil sie sich stark fühlt, sondern weil sie nichts mehr hat, worauf sie sonst hoffen kann. Sie begnügt sich mit dem Rand seines Gewands – nicht, weil sie klein denkt, sondern weil sie weiß: Wenn da Gnade ist, dann auch für sie, gerade dort. Und dort reicht ein Fitzelchen Gnade.
Das ist Glauben in seiner reinsten Form: nicht das große Wissen, wie es ausgeht, sondern das große Vertrauen, dass Jesus reicht – selbst wenn man ihn nur am äußersten Rand berührt. Wer so glaubt, stellt nicht Bedingungen. Er stellt sich Jesus – und das genügt.

Und das Erstaunliche? Bevor Jesus überhaupt mit ihr spricht, hat sie schon Kraft empfangen. Warum? Weil Glaube nicht erst dann wirkt, wenn alles sicher scheint. Sondern dann, wenn vieles oder alles dagegen spricht – und du trotzdem an Christus festhältst.

Jesus sieht sie an, diese Frau mit der unsichtbaren Geschichte. Und er sagt nicht: „Warum hast du mich einfach berührt?“ oder „Warst du überhaupt schon in der Synagoge?“
Er sagt: „Sei getrost, meine Tochter. Dein Glaube hat dir geholfen.“

So ein Glaube gefällt Jesus. So sehr, dass er ihn nicht verborgen lassen will. Glaube soll nicht im Versteck wachsen wie eine Zimmerpflanze ohne Licht. Glaube darf sichtbar sein – weil er Hoffnung macht. Weil andere, die auch mit Zweifeln kämpfen, sehen sollen: Du darfst kommen. Auch mit Wunden. Auch mit Fragen. Einfach nur um heil zu werden.

Heute, in einer Welt voller Bewertungen, Cancel-Kultur, Selbstoptimierung und Instagram-Filtern, wo du dich schnell „zu wenig“ fühlst – ist diese Stelle in Matthäus 9, 22 ein Aufschrei: Du darfst zu Jesus, ohne dich vorher zu reparieren. Du darfst zu ihm kommen, ohne vorher ein besserer Mensch geworden zu sein.
Du darfst glauben, ohne alles im Griff zu haben. Und Jesus? Er nennt dich sein Kind. Er sieht deinen Glauben. Und er handelt – auch wenn du ihn nur heimlich am Saum berührst.

Wenn du das Gefühl hast, dein Glaube sei zu schwach, zu klein, zu angefochten – dann denk an diese Frau. Und an Jesus, der sich zu ihr umdreht. Vielleicht brauchst du keinen großen Glauben. Vielleicht brauchst du nur einen kleinen Glauben an einen großen Retter. Und das reicht – zum Durchbrechen.

Vielen Dank fürs Lesen!

Dein Peter


 Da wandte sich Jesus um und sah sie und sprach: Sei getrost, meine Tochter; dein Glaube hat dir geholfen.

Matthäus 9, 22